„Die Welt“ Samstag, der 05. Dezember 2009: Das hat den Eimsbüttelern gerade noch gefehlt: ein Restaurant mit klassischer, gehobener französischer Bistroküche, freundlichem Service, feinen Weinen und moderaten Preisen. Diese Lücke ist seit Kurzem geschlossen: Markus Schröpfer, einer der kompetentesten Köche der Hansestadt und seit gut 20 Jahren kulinarisch vielseitig unterwegs (u. a. "Le Paquebot" und "Brücke" Hamburg, "Le Divellec" Paris, "Villa Joya" Portugal), sorgte mit dem "Vier Rosen" für eine der gelungensten Neueröffnungen dieses Herbstes in der Hansestadt. Das Restaurant ist klein, mit nur rund 30 Plätzen, gemütlich und schön schlicht im französischen Bistrostil eingerichtet. Wenn man an den blank gescheuerten Holztischen sitzt und an seinem Picpoul de Pinet nippt (der preiswerteste, dennoch ausgezeichnete Weißwein, Glas 4,80 Euro, Flasche 18 Euro), kann man sich glatt in einen Pariser Vorort versetzt fühlen. Mit dem "Vier Rosen" hat der beschauliche Stellinger Weg seinen Ruf als heimliche Gourmetmeile endgültig gefestigt: Direkt gegenüber dem Restaurant liegt Didier Martins "Roderian", die wohl beste Wild- und Geflügelhandlung Norddeutschlands, ein paar Häuser weiter residiert mit Jürgen Schlüter ein für Frische, Auswahl und Preiswürdigkeit berühmter Fischspezialist der Extraklasse. Aus diesen Quellen schöpft auch Schröpfer für seine hervorragende Frischeküche. Die Preise für die Vorspeisen muten nahezu nostalgisch an, die Gäste werden vom Patron alles andere als geschröpft: So kam ein üppig dimensionierter Teller mit knusprig gebackenen Sardinen auf fein angemachtem Tomatensalat für 5,50 Euro auf den Tisch. Perfekt bereitete Wachtelbrust und -keule auf lauwarmem Linsensalat werden ebenso für 7,50 Euro offeriert wie die vorzügliche Paté Maison von Reh und Kaninchen mit Cornichons, Salatbouquet und Pommerysenf-Creme-fraîche. Und auch Didier Martins legendäre, allein schon den Abstecher zum Stellinger Weg lohnende hausgemachte Merguez (pikante Lammwürstchen algerische Art) finden in Markus Schröpfer einen kongenialen Verwender: Er serviert sie artgerecht auf Taboulé mit Minz-Crème-fraîche (8,50 Euro). Ein äußerst gelungenes Hauptgericht war das gekräuterte Risotto mit Jacobsmuscheln, Scampi, Venusmuscheln und Passepierre, angesichts des großzügigen Einsatzes bester frischer Meeresfrüchte mit 9,50 Euro ebenfalls sehr preiswürdig. Auf der wöchentlich wechselnden Karte tauchen aber auch klassische winterliche Schmorgerichte auf. Ob die geschmorte Rehkeule mit Speckknödeln und Maronen (17 Euro), der Wildschweinrücken unter der Kräuterkruste mit Selleriepüree und Dörrpflaumen (16,50 Euro) oder, ganz klassisch, die Dithmarscher Barberie-Ente aus dem Ofen mit Rotkohl, Kartoffelknödeln und Maronen (17 Euro): Das ist alles üppig portioniert, liebevoll abgeschmeckt und aus guten Rohstoffen tadellos zubereitet. Wer dann noch den Apfel-Maronen-Strudel mit weißem Schokoladen-Mohn-Parfait (5,50 Euro) wählt, muss über eine ganz schöne Aufnahmekapazität verfügen. Bei den Rotweinen (ausschließlich aus Frankreich, Flasche ab 18 Euro) lohnt es übrigens, etwas tiefer in die Tasche zu greifen und sich den teuersten Rotwein des Hauses zu gönnen: Der Château Anthonic, ohnehin einer der feinsten Cru Bourgeois aus Moulis-en-Médoc, stammt aus dem Bordelaiser "Jahrhundertjahrgang" 2005 und präsentiert sich gerade in traumhafter Verfassung - leider fehlen noch die angemessenen Gläser zu seiner vollen Entfaltung (Flasche 36 Euro). Kleiner Hinweis am Rande: Wenn der Laden voll ist, sitzt man sich ziemlich eng auf der Pelle - bistromäßig eben. Gäste sollten also unbedingt reservieren. Denn speziell am Wochenende sind die 30 Sitzplätze schnell ausgebucht.